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Rosdorf wird erstmals im Jahr 1004 urkundlich erwähnt. Seit wann der Ort eine Kirche hat, ist nicht zu ermitteln. Ein 1963 bei Bauarbeiten gefundener romanischer Säulenfuß läßt auf ein Vorgängergebäude des jetzt vor allem gotisch geprägten Gotteshauses schließen.  Zu den gotischen Bauelementen gehören der polygonale Chorabschluss, die Strebepfeiler, der untere Teil des Turms mit seinen Fenstern und Schallöffnungen sowie Reste eines Kreuzwegs (fünf Reliefsteine, z.Zt. an der nördlichen und südlichen Außenseite des Chores sowie an der Innenseite der Friedhofsmauer in der Nähe des Kircheneingangs). Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kirchengebäude beschädigt, Altar und Glocken wurden geraubt. Noch Ende des 17. Jahrhunderts war die Kirche wohl ein relativ gedrungener Bau, dessen Turm mit seinem einfachen Sattel- oder Walmdach kaum den First des Kirchenschiffs überragte. Der gemauerte Teil des Turms reichte damals bis zu dem noch sichtbaren Gesims unterhalb der heutigen Kirchturmuhr. Damit der Klang der nunmehr kleinen Glocken "auf allen vier Seiten des Turmes besser herausschallen und also besser gehört werden könne", so die Kirchenchronik, wurde der Turm 1699 "um ein Revier" (eine vollständige Treppenwindung, ca. fünf Meter) erhöht. Zugleich erhielt er seine heute noch existierende Bekrönung mit Laterne und Zwiebel. In die bei dieser Gelegenheit angefertigte Kirchturmkugel legte man neben damals gültigen Münzen ein Schriftstück mit allgemeinen Nachrichten über die Situation der Gemeinde. Daraus entstand eine bis in die Gegenwart fortgeführte Tradition: Jedes Mal, wenn Reparaturen am Kirchturmdach die Abnahme von Spitze und Kugel erforderten, legte man Proben der aktuellen Währung und ein neues Schriftstück zu den vorhandenen. Auf diese Weise beherbergt die Kirchturmkugel ein bemerkenswertes "Archiv" zur Geschichte Rosdorfs.  Nach einer Brandkatastrophe im Kircheninnern (1857) verlängerte man bei der Wiederinstandsetzung die Fenster nach unten und verlegte den bis dahin an der Südseite des Kirchenschiffs befindlichen Eingang an seinen heutigen Platz auf der Westseite (1863). Im Kircheninnern gibt es von der gotischen Ausstattung heute keine Spuren. Aus der Barockzeit ist nur die spätbarocke Stuckdecke der Meister Heine (Monogramm H mit Jahreszahl 1730 an der Decke) und Gozzi erhalten. Den 1728-1729 vom Göttinger Holzschneider Meder im Stil der Zeit angefertigten barocken Kanzelaltar empfand im 19. Jahrhundert der Rosdorfer Pastor Johann Heinrich Karl Ebeling als die Andacht störend und geschmacklos. Die Altarwand wurde auf seinen Wunsch hin entfernt und befindet sich heute in der Kirche St. Margarethen in Holtensen, einzelne Figuren besitzt das Städtische Museum Göttingen.  Auf Veranlassung Pastor Ebelings erhielt der Göttinger Universitätsprofessor und Hofmaler in Hannover Carl Wilhelm Friedrich Oesterley (1805-1891) den Auftrag zu einer neuen Altarwand im "byzantinischen Stil" (1844). Das Thema seines auffälligen Altarbildes (1851) "Kommet her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!" (Matthäus 11, 28) geht wohl auf Oesterleys eigenen Vorschlag zurück. Auf dem Bild versammelt Oesterley um die Lichtgestalt Christi nicht nur "alle Stände und Lebensalter", sondern schafft darüberhinaus Bezüge zu einem aktuellen Rosdorfer Mordfall: Der zum Tode verurteilte Mörder (bärtig, mit offenem Hemd, die Faust auf der Brust) steht rechts im Halbdunkel des Bildrandes. Pastor Ebeling (in Amtstracht) wendet sich ihm zu und weist mit einer einladenden Bewegung seiner Rechten auf den das Abendmahl austeilenden Engel. Vor ihm kniend und das Abendmahl empfangend Ebelings Amtsvorgänger Pastor Johann Heinrich Hoffmann (gest. 1851). Ein im Hintergrund über einer Krone in Demut Betender repräsentiert das Herrscherhaus. Das dem Altarbild zugrunde liegende reale Geschehen, die Alltagstracht und Porträtähnlichkeit der Dargestellten suggerieren, dass sich Christus unmittelbar an die Rosdorfer Kirchengemeinde wendet.  Ebenfalls im Auftrag Ebelings schuf Ernst von Bandel, der Erbauer des Hermannsdenkmals, einen neuen Taufstein (1851), der bekannte Göttinger Orgelbaumeister Giesecke eine neue Orgel (1863). 1997 wurde die Giesecke-Orgel von der Firma Bosch aus Niestetal bei Kassel rekonstruiert; sie erklingt seither nicht nur bei den Gottesdiensten, sondern auch bei kirchlichen Konzertveranstaltungen.
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